ROKO. Mehr als Schule
Robert-Koch-Gymnasium Deggendorf, Konrad-Adenauer-Str. 6, 94469 Deggendorf, Tel.: 0991 - 991397 - 0, email: Sekretariat@rokodeg.de

Vom wahren Wert des Miteinanders


Schülerinnen und Schüler des „RoKo“ zeigen an ihrem Wertetag, worauf es ankommt

Kluge Menschen soll es hervorbringen, das bayerische Gymnasium, das weiß doch jeder. Dass die bayerische Verfassung von seinem Bildungsflaggschiff allerdings ein wenig mehr verlangt als nur kluge Menschen, nämlich die Bildung von Herz und Charakter (Art. 131 Abs. 1), das ist schon weitaus weniger bekannt – und dabei doch um so wichtiger. Wer’s gern akademisch hält, der möge sich diesbezüglich beim Klassiker der pädagogischen Literatur, Jean-Jacques Rousseaus Bildungsroman „Emile“ rückversichern, wo es heißt: „Wer die Dinge gut genug kennt, dass er allen ihren wahren Wert geben kann, redet niemals zu viel“. Es geht aber auch deutlich einfacher: Man besuche halt das Robert-Koch-Gymnasium an seinem traditionellen Wertetag und staune, was hier – ganz pragmatisch und doch durchdacht – an Werten besprochen, reflektiert und vor allem vorgelebt wird.

Während der organisatorische Rahmen der Veranstaltung in bewährter Manier seit vielen Jahren die 5. Jahrgangsstufe mit Themen aus dem Bereich der „Verantwortung für sich selbst“ konfrontiert, stammen diese in den 6. Klassen aus dem Bereich der „Verantwortung für meine Mitschüler“, in den 7. Klassen der „Verantwortung für meine Schule“, in den 8. Klassen der „Verantwortung für meine Umwelt“, in den 9. Klassen der „Verantwortung für meine Kultur“ und in den 10. Klassen der „Verantwortung für andere Kulturen“. Bei so viel Verantwortlichkeit gestalten sich die Einzelprojekte des Tages jedes Jahr aufs Neue äußerst vielfältig und ideenreich – und so natürlich auch heuer:

Für die „Frischlinge“, die hier ihren ersten Wertetag mitgestalten durften, war es eine Heidenfreude, gesunde Ernährung nicht nur theoretisch zu genießen, sondern – bewaffnet mit Schürze, Charme und Schälwerkzeug – selbst an vorderster Front für eine solche zu sorgen, um sie anschließend miteinander zu teilen. Den sozialen Umgang innerhalb ihrer Klassen, welche die Zusammensetzung unserer Gesamtgesellschaft in der Regel bestens widerspiegeln, nahmen die Sechstklässler vor allem in Abgleich mit dem Angebot der sozialen Medien unter die Lupe, um so ein verstärktes Bewusstsein füreinander zu schaffen. Besonders einfalls- und tatenreich erwiesen sich die Siebtklässler als ältester Jahrgang der Unterstufe, indem sie ihr Schulleben nicht nur mittels eines inszenierten Rollentauschs und schauspielerischen Einfühlungsvermögens, sondern auch durch die professionelle Analyse einer in den Tagen zuvor selbständig durchgeführten Lautstärkemessung unter die Lupe nahmen und sogar im Rahmen einer kurzfristig angesetzten Umweltaktion zu fleißigen Müllsammlern außerhalb ihres Schulgebäudes wurden.

Die Schülerinnen und Schüler der Mittel- und Oberstufe befassten sich vor allem mit den Themen Nachhaltigkeit und Müllentsorgung, gepaart mit eigenen Online-Recherchen und einem Besuch der Deponie in Außernzell. Von Teambuilding über das Erkennen von Fake News im Netz bis hin zu einem Planspiel „Fluchtursachen“ entfalteten besonders die Neunt- und Zehntklässler eine jeweils sehr aufwendige und durchwegs bewundernswerte Palette an Programmpunkten, für welche man andernorts lange Teilnehmerlisten aushängen und satte Seminargebühren verlangen müsste. Exemplarisch herausgegriffen sei an dieser Stelle der Besuch der Klasse 9a mit ihrer Klassenleiterin StRin Sandra Obermeier im Deggendorfer BRK-Seniorenheim. Die Schülerinnen und Schüler begaben sich hierbei auf vier Stationen (darunter eine Demenzstation), um mit den Bewohnern etwas gemeinsame Zeit zu verbringen, sei es um vorzulesen, zu erzählen oder einfach zuzuhören – wobei vor allem letzteres oftmals tief beeindruckte, zumal sich daraus auch zahlreiche rührende Szenen ergaben, die beim Abschied mitunter zu Tränen führten.

So wurde auch heuer der Wertetag wieder seinem Namen und seinem Verfassungsauftrag gerecht. Werte halten uns als Gesellschaft zusammen, definieren uns und leiten uns, damit wir und unsere Kinder erkennen können, was wichtig ist. Denn wer von allem nur den Preis und von nichts den Wert kennt, der hat nichts verstanden.
Verfasser: Ernst Schütz,