Einen besonderen Biologieunterricht außerhalb des Klassenzimmers hatten die Schülerinnen und Schüler des Leistungsfaches Biologie der Q13 des Robert-Koch-Gymnasiums in der Woche der Gesundheit und Nachhaltigkeit. Passend zum Lehrplanthema „Neuronale Informationsverarbeitung“ besuchten sie zusammen mit ihrer Kursleiterin Monika Trum und der Schulpsychologin Anna Denk den Vortrag zum Thema „Depressionen und Ängste – Ursachen, Symptome und Wege der Hilfe“ im Bezirksklinikum Mainkofen. Prof. Dr. Johannes Hamann, Ärztlicher Direktor, und Dr. Claudia Hindinger, Chefärztin des Zentrums für integrale Depressionsbehandlung, gaben für beide Krankheitsbilder einen Einblick und stellten Behandlungsmöglichkeiten dar.
Wie verbreitet diese beiden Erkrankungen sind, zeigen die Zahlen: „Etwa 16 Prozent aller Menschen leiden mindestens einmal im Leben unter einer behandlungsbedürftigen depressiven Episode und im Schnitt vergehen 20 Monate, bis sich Menschen mit einer depressiven Erkrankung Hilfe holen“, berichtete Frau Dr. Hindinger in ihrem Teil des Vortrags. Die Referentin betonte auch, dass Depressionen keine schlechte Laune, moralisches Versagen oder Willensschwäche, sondern eine ernstzunehmende Krankheit ist, die das Denken, Handeln, Fühlen und den ganzen Körper in allen Lebensbereichen betrifft. Die Entstehung ist multifaktoriell und geschieht durch ein Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung, Stress, veränderten Stoffwechselvorgängen im Gehirn und der jeweiligen Lebenssituation. Die Depression äußert sich unter anderem durch gedrückte Stimmung, Hemmung von Denken und Antrieb, Interessenverlust und gesteigerter Erschöpfung.
„Angst ist zunächst keine Krankheit, sondern ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers, der den „Fight-or-Flight-Modus“ auslöst“, stellte Professor Hamann im zweiten Teil der Präsentation dar. Dieser Zustand führt unter anderem zu erhöhtem Herzschlag, Schweißproduktion, Schwindel und unter Umständen zu Atemnot und einem Engegefühl in der Brust. Pathologisch wird es erst, wenn die Angst übermäßig und in vielen Situationen auftritt und den Alltag einschränkt. Die häufigsten Symptome sind das ständige Katastrophisieren von Ereignissen, bei denen die Patienten bei vielen Situationen den schlimmstmöglichen Ausgang erwarten, aber auch Gedankenkreisen und Panikattacken.
Beide Krankheitsbilder sind gut behandelbar. Bei Depressionen ist die gängigste Methode eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten, bei Angststörungen setzt man zunächst nur auf Ersteres. Das Wichtigste ist jedoch, dass man sich schnellstmöglich Hilfe sucht, um einer Chronifizierung vorzubeugen. Mögliche Anlaufstellen wurden den Zuhörern vorgestellt.
Im Anschluss nahmen sich die beiden Referenten viel Zeit, um alle Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Dabei wurden sie von der Bezirksrätin und 2. Bürgermeisterin der Stadt Deggendorf Renate Wasmeier unterstützt, die geduldig das Mikrofon an die Gäste weiterreichte. Für die Schülerinnen und Schüler des Leistungsfaches Biologie war diese abendliche Veranstaltung sehr interessant und informativ. Sie trug dazu bei, tiefere Einblicke in diese komplexen Krankheitsbilder zu bekommen, die Stigmatisierung gegenüber Betroffenen abzubauen und das Bewusstsein für diese Störungen zu schärfen. Zudem darf sich die Schulfamilie des ROKO über eine zukünftige Zusammenarbeit mit dem Bezirksklinikum Mainkofen in Form von Vorträgen aus dem Bereich der psychischen Gesundheit freuen.
