Besuch der Synagoge in Straubing

Die Synagoge in Straubing ist immer einen Besuch wert. Wir fahren in der Regel mit unseren 9. Klassen dorthin, um die im Ethik- und Religionsunterricht vermittelte Theorie lebendig werden zu lassen.

1907 im Jugendstil erbaut, überstand die Straubinger Synagoge die Reichspogromnacht. Sie wurde zwar schwer verwüstet, aber nicht angezündet, weil der Feuerwehrkommandant damals befürchtete, dass ein Feuer auf benachbarte Häuser übergreifen könnte. So konnte sie nach dem Krieg renoviert werden und ist heute eine der wenigen erhalten gebliebenen Synagogen in Bayern. In Niederbayern ist sie der einzige jüdische Kultbau, der den ca. 900 jüdischen Mitbürgern aus dem ganzen Regierungsbezirk eine geistliche Heimat bietet. Ein Großteil der Gemeindeglieder – ca. 800 – sind Zuwanderer aus den GUS-Staaten, die erst in Deutschland ihre eigene Religion näher kennenlernten. Doch ohne sie gäbe es die israelitische Kultusgemeinde in Straubing vielleicht schon bald nicht mehr, hatten sie doch in den 1990er Jahren bereits große Schwierigkeiten 10 erwachsene Männer, die für einen jüdischen Gottesdienst Voraussetzung sind, zusammenzubringen.

Nach der Synagogenbesichtigung können wir schließlich noch auf die Suche nach den „Stolpersteinen“ des Künstlers Gunter Demnig gehen, die an die von den Nationalsozialisten getöteten Mitbürger Straubings erinnern und jeweils direkt vor deren ehemaligen Wohnhäusern in den Gehsteig eingelassen sind. Überrascht sind die Schüler jedes Mal, dass Otto Selz, das erste jüdische Opfer der Nationalsozilisten in Straubing, bereits am 15. März 1933 getötet wurde.

Auf dem Weg zum Busparkplatz kommen wir schließlich noch an dem Haus in der Rosengasse 14 vorbei, wo ein jüdischer Grabstein aus dem Jahre 1328 in der Hauswand zu sehen ist, und halten am Mahnmal für die Todesmärsche aus dem KZ Flossenbürg am Hagen kurz inne, um dessen Symbolik zu entschlüsseln. (StDin Petra Keller)